Conclusum vom 10.|20. Januar 1700

Nach dem Beschluss des Corpus Evangelicorum vom 23. September 1699 wurde im
Januar 1700 eine präzisierte Durchführungsbestimmung die Osterfestrechnung betreff end erlassen. Während das Conclusum vom 23. September 1699 diesbezüglich lediglich festlegte, dass diese nach dem „Calculo Astronomico“ also nach astronomischer Berechnung, durchgeführt werden solle, wurde im Conclusum vom 10.|20. Januar 1700 expliziert, als astronomische Datengrundlage die Rudolfi nischen Tafeln zu verwenden. Die Frage, nach welchem „Calculo Astronomico“ das Osterdatum bestimmt werden sollte, war unter Astronomen o ffenbar strittig, da Ende des siebzehnten Jahrhunderts in den Rudol nischen Tafeln, die bei Erscheinen 1627 eine bis dahin unübertroff enen Präzision vorweisen konnten, Abweichungen vom tatsächlichen Himmelsgeschehen erkennbar wurden. Hamberger sieht in dem Gebot zur Erstellung neuer und präziserer astronomischer Tabellen die Notwendigkeit eines einheitlichen und gemeinsamen Vorgehens, vgl. seine Stellungnahme zu dem Conclusum vom 10.|20. Januar 1700 [in den Kalenderbriefen ab Seite 99]. Zur Abstimmung einschlägiger Aktivitäten hält er ein koordinierendes Gremium für unentbehrlich und plädiert zu diesem Zweck abermals für die Einrichtung des von Weigel vorgeschlagenen Collegiums.

Wortlaut des Conclusums des Corpus Evangelicorum vom 10.|20. Januar 1700:

Conclusum in Conferentia Evangelicorum den 10/20. Januar. 1700.

Bis zu Verfertigung anderer- mit dem Himmels-Lauf accurater übereinstimmender Tabularum Astronomicarum, die bisherige Rudolphinische Tabulas Kepleri zum Calculo der Ephemeridum beyzubehalten. Nachdem zu Verhütung aller Confusion bey dem Calculo des Stand- und Gangs der Planeten, und absonderlich bey der Fest-Rechnung nöthig seyn will, die Mathematicos auf gewisse allgemeine Fundamenta zu weisen, und aber wegen des unter denen Astronomis noch obschwebenden dissensus, welche Tabulae die allerzuverläßigste und accurateste seyen, am rathsamsten scheinet, die bishero fast durchgehends gebrauchte Rudolphinische Tabulas Kepleri zum Calculo der Ephemeridum und besonders zum computo des Oster-Vollmonds zu behalten; Also wäre allen Mathematicis zu bedeuten, daß sie stricte dabey bleiben, und nach derselben praeceptis ad Meridianum Uranoburgicum die Phaenomena coelestia und zumalen das tempus aequinoctii verni, und dann den wahren Oster-Vollmond in Tag, Stunden und Minuten berechnen, und solchen so lange nachgehen solten, bis durch der Mathematicorum observationes andere mit dem Himmels-Lauff accurater übereinstimmende Tabulae Astronomicae verfertiget, von denen Evangelischen Ständen approbiret- und zu substituiren von Selbigen beliebet werden möchten; Welches man also an allerseits gnädigste Herren Principalen Obern und Committenten zu referiren und Dero Verordnung darüber einzuholen, nöthig befunden.

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