Beschluss des Corpus Evangelicorum vom 23. September 1699

Am 23. September 1699 beschloss das Corpus Evangelicorum der vereinigten evangelischen Reichsstände Deutschlands in Regensburg die Annahme des „Verbesserten Kalenders“, das heißt, der Kalenderreform von 1700, wonach auf den 18. Februar 1700 direkt der 1. März 1700 folgt.

Hier der Wortlaut des betreffenden „Conclusums“

Conclusum Corporis Evangelicorum vom 23. Sept. 1699.
Die CalenderVerbesserung betre end.

Nachdeme die Calender-Verbesserung bey dem Corpore Evangelico in behörige Deliberation gestellt worden, so hat man einmüthiglich vor gut befunden und geschlossen, daß
1. Die nach dem 18. Febr. st. v. folgende 11. Tag des 1700. Jahrs in denen Calendern auszulassen, und das Matthiæ Fest auf besagten 18. Febr. zu legen seye.
2. Die Oster-Fest-Rechnung, und was davon dependirt, in Zukun t weder nach dem, im Julianischen angenommenen Dionysianischen viel weniger Gregorianischen Cyclo, sondern nach dem Calculo Astronomico (wie ehemals zu Zeiten des Concilii Nicæni beschehen) gemacht werde.
3. Die Evangelische Sonn- Fest- und gemeine Wochen und Wercktäg, wie bishero, also jederzeit in eine besondere Columnam gebracht werden, mit darüber gesetzter Inscription: Verbesserter Calender.
4. Allerseits Mathematici Evangelici dahin angewiesen werden, mit denen Königl. Schwedischen, über die von selbigen gethane Vorschläg fleißig zu communiciren, ob, und wie, so wohl gedachte Vorschläg als das gantze Werck vollends zum Stand zu bringen seyn möchte.
5. Denen Mathematicis ebenmäßig aufzugeben, daß selbige darauf gedencken solten, wie kün ftighin und mit der Zeit der bissherige abusus der Astrologiæ Judiciariæ aus denen Calendern bleiben könne. Wie nun
6. Diese Calender-Veränderung aus der, denen Evangelischen Ständen des Reichs in Sacris & Profanis zustehenden hohen Macht und Gewalt, bey dem Corpore Evangelico resolvirt und beschlossen worden, also wäre solches in denen dieser Calender-Veränderung wegen in deren Landen auszufertigenden Publications Edictis insonderheit anzuführen; Und
7. Die Publication dieses Schlusses in allen Evangelischen Landen den letzten Sonntag vor dem Advent dieses 1699. Jahres zu bewerckstelligen.

Hamberger schrieb am 14. Oktober 1699 an Meyer

… mit Verwunderung ersehen daß bey der letzten Versamlung unseres seel. Vatters Hn Weigelii gute intention so viel habe leiden müssen. Weil mir aber dieses dunckle Wort so will um eine Erleiterung dienstl. gebetten haben. Insonders aber wundert mich, daß die sich der Sach nicht angenommen, von denen man es am meisten vermuthen sollen. Ich kan versichern, daß in denen an mich ergangenen guten rescripten des seel. Mannes Vorschlags mit ungemein gnädigen terminis gedacht, u. außdrücklich befohlen worden dahin nach Vermögen zu trachten, daß Er zum Stand komme, wie [ih]nen in gleichen terminis nach Regenspurg rescribirt [wor]den.

Darin kommt deutlich seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck, dass mit dem Conclusum des Corpus Evangelicorum Hambergers die von Erhard Weigel eingebrachten Vorschläge nur zu einem geringen Teil umgesetzt worden sind. Ernüchterung dürfte insbesondere darüber geherrscht haben, dass das angestrebte Collegium Artis Consultorum in den Beschlüssen keinerlei Rolle spielte.


Literatur

  • Jürgen Hamel: Die Kalenderreform des Jahres 1700 und ihre Durchsetzung in Hessen.
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