Das Kaiserliche Dekret vom 27. Juli 1697


Weigel’s intended Collegium Artis Consultorum was confirmed by a royal decree of 27 July 1697.


Eine entscheidende Rolle in Erhard Weigels Vorschlag zur Kalenderreform spielte das von ihm geplante Collegium Artis Consultorum. Nach seinen Vorstellungen sollte diesem Gremium die Aufsicht über das Kalenderwesen in Deutschland übertragen werden, insbesondere sollte es sich im Zusammenhang mit der Einführung der astronomischen Osterfestrechnung im „Verbesserten Kalender“ der korrekten Festlegung des Osterdatums annehmen. Darüber hinaus wollte Weigel dieses Collegium in gewissem Sinne als Akademie und Patentanstalt etablieren. Finanziert werden sollte es über eine Abgabe, die auf jeden in Deutschland gedruckten Kalender erhoben werden sollte. Detaillierte Rechnungen über mögliche Einnahmen aus solch einem Kalenderprivileg findet man in Hambergers Brief an Meyer vom 29. Dezember 1699.

Als Sitz des Collegiums stand bereits Nürnberg fest. Weigel hatte dort zu diesem Zweck bereits im Jahre 1698 ein Haus erworben. Einen früheren Vorschlag, wonach der Sitz, zumindest für die Katholiken, in Erfurt sein sollte, hatte Weigel offenbar selbst nicht weiter verfolgt.

Schon am 27. Juli 1697 hatte Kaiser Leopold I. auf Weigels Bemühungen hin in Wien ein Dekret bezüglich der Einrichtung des Collegium Artis Consultorum erlassen.

Wortlaut des Kaiserlichen Dekrets vom 27. Juli 1697:

VOn der Römischen Käyserlichen Majestät/ unsers allergnädigsten Herrn/ wegen dero Rath und Mathematico, Erhardo Weigelio, &c. in Gnaden anzudeuten/ daß allerhöchst gedachter Ihrer Käyserlichen Majestät seinen Vorschlag des Collegii Artis Consultorum, wodurch auch die Vereinigung des alten Calenders styli mit dem Neuen auff das leichteste zu treffen seyn soll/ nicht allein in Consideration zu ziehen/ sondern auch geschehen lassen wollen/ daß solches Collegium eingerichtet/ und hinführo in der Käyserlichen freyen Reichs-Stadt Nürnberg seine Versammlung pflegen/ mithin allerhand Mathematische Kunst-Wercke am Tag zu legen/ und zur guter perfection zu bringen/ und Käyserliche Majestät seynd ihm übrigens mit Käyserlichen Gnaden gewogen.
Signaturum zu Wien unter mehr allerhöchstgedachter Ihrer Käyserlichen Majestät hervor gedruckten Secret Insiegel den 27. Julii Anno 1697.

Siehe Europäische Staats-Cantzley Band 4, 1700 | Kaiserliches Dekret: Seiten 748-749.

Leider befand sich dieses Collegium bei Weigels Tod immer noch in der Konstituierungsphase und hatte trotz der weitreichenden Vorarbeiten Weigels seine Arbeit noch nicht wirklich aufgenommen. Auch Hamberger und Meyer waren nicht mehr im Stande, dieses Kollegium noch erfolgreich zu etablieren.

P.S. Am selben Tag, als der Kaiser in Wien dieses Dekret verabschiedete, wurde der sächsische Kurfürst Friedrich August I. („August der Starke“) König von Polen und versicherte in seinem „Religionsversicherungsdekret“, dass sein Übertritt zum Katholizismus für seine Untertanen keine Folgen habe. (Nach einer im Augsburger Religionsfrieden von 1555 getroffenen Vereinbarung richtet sich die Konfession der Untertanen nach der Konfession des Herrschers.)

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